Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden

Die positive Entwicklung des adidas Konzerns setzte sich 2007 weiter fort und verhalf der Aktie zum Ende des Jahres zu einem neuen Allzeithoch. Der Konzern verbesserte erneut wichtige Finanzkennzahlen. So wurde eine währungsbereinigte Umsatzsteigerung von 7 % und ein Gewinnwachstum von 14 % erzielt. Im Jahr 2008 gilt für die Welt „United by Sport“– erst bei der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz und später bei den Olympischen Spielen in Peking. Die adidas Group ist bei beiden Veranstaltungen stark vertreten und wird ihre Markenstrategien erfolgreich umsetzen. Der Konzern erwartet deshalb für 2008 ein noch stärkeres Umsatz- und Gewinnwachstum.

Herbert Hainer

Herbert Hainer
Vorstandsvorsitzender

Im folgenden Interview blickt Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender des adidas Konzerns, auf das Jahr 2007 zurück und geht auf die strategischen und finanziellen Ziele für die Zukunft ein.

Herr Hainer, der adidas Konzern hat sich 2007 wieder entScheidend weiterentwickelt. Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für diese starke Leistung?
Nach der Akquisition von Reebok und dem großen Erfolg bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 2006 war uns klar, dass wir 2007 viel leisten müssen, um die Entwicklung weiter in die richtige Richtung zu lenken. Deshalb bin ich sehr stolz, dass unsere harte Arbeit dem Konzern zu neuen Rekordumsätzen und einem Rekordgewinn verholfen hat. Der Umsatz ist währungsbereinigt um 7 % gewachsen. Die Rohertragsmarge ist ebenfalls stark gestiegen und erreichte 47,4 %. Die operative Marge entsprach unseren ursprünglichen Erwartungen und lag bei 9,2 %. Außerdem wuchsen der Gewinn und das Ergebnis je Aktie um 14 % – und das, obwohl sich die Bedingungen in einigen wichtigen Märkten im Verlauf des Jahres deutlich verschlechtert haben.

Unser Fokus auf Leistung und operative Stärke hat einen wichtigen Beitrag zu unserem Erfolg im Jahr 2007 geleistet. Wir haben unsere führende Stellung bei Innovation und Design weiter ausgebaut und mehrere Auszeichnungen erhalten. In wichtigen Kategorien wie Running und Fußball konnten wir unseren Marktanteil weiter steigern. Wir haben unseren Fokus auf selbst kontrollierte Verkaufsflächen deutlich verstärkt. Diese Vertriebsform wird wesentlich zu zukünftigem Wachstum beitragen. Darunter fällt alles von neuen eigenen Einzelhandelsaktivitäten, erweiterten Franchise-Netzwerken in Schwellenländern bis hin zu kreativen Shop-in-Shop-Konzepten in weiter entwickelten Märkten. Darüber hinaus haben wir die digitale Kommunikation zur strategischen Priorität für alle unsere Marken gemacht. Und ich bin überzeugt – wenn wir uns jetzt für ein weiteres Jahr intensiven Wettbewerbs auf und neben dem Spielfeld rüsten, ist der adidas Konzern durch diese Maßnahmen hervorragend positioniert, noch weiter und noch schneller nach vorne zu kommen. 

Die Marke adidas hat mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 12 % Ihre anfänglichen Erwartungen übertroffen. Was waren die Hauptfaktoren für diesen Erfolg?
Die starke Produkt-Pipeline und das Bekenntnis zu Innovation sind die grundlegenden Faktoren für den Erfolg der Marke adidas. adidas hat sich verstärkt auf fünf strategische Kategorien konzentriert – und ist in allen gewachsen. Die Umsätze lagen in allen Regionen über dem allgemeinen Branchenwachstum. Der Erfolg in Schwellenländern, die Erweiterung der selbst kontrollierten Verkaufsflächen und die ungebrochene Dominanz auf dem europäischen Heimatmarkt trieben die Marke im dritten Jahr in Folge zu einem währungsbereinigten Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich. Und noch wichtiger – adidas erzielte mit 47,4 % bzw. 12,9 % neue Rekorde bei der Rohertragsmarge und der operativen Marge. Dies beweist, dass die Prioritäten und die Positionierung von adidas – verbunden mit der Fähigkeit, Synergien aus der Akquisition von Reebok zu nutzen – der Marke zu deutlichen Fortschritten bei der operativen Performance verholfen haben. Angesichts der um 17 % gestiegenen Auftragsbestände, dem höchsten Stand seit fast zehn Jahren, bin ich überzeugt, dass adidas 2008 seine führenden Marktpositionen rund um den Globus weiter ausbauen wird.

Sie sind offizieller Sponsor der UEFA EURO 2008™ und der Olympischen Spiele in Peking. Wie wichtig sind diese und andere sportliche GroSSereignisse für den adidas Konzern?
Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil des Konzerns ist die enorme Erfahrung und das umfangreiche Know-how, das wir durch die lange Tradition der Partnerschaft mit großen Sportereignissen und -ligen gewonnen haben. Wir sind der einzige Sportartikelhersteller, der jemals Sponsor einer Fußball-Weltmeisterschaft war. Wir sind derzeit Partner von einigen der wichtigsten Marathonläufe der Welt wie beispielsweise London, Boston und Berlin. Und wir unterhalten langjährige Beziehungen mit allen wichtigen Sportligen in Nordamerika.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir besser als alle anderen die Chancen nutzen können, die sich durch große Sportereignisse bieten. Denn diese Ereignisse bringen uns nicht nur erhöhte Umsätze im Lizenzgeschäft, sondern vor allem auch mehr Aufmerksamkeit für unsere Spitzenprodukte und Promotion-Partner, was wiederum die Glaubwürdigkeit des Konzerns im Leistungssport unterstreicht. Natürlich ist das Sponsoring solcher Großereignisse mit Kosten verbunden, aber wir haben immer wieder gesehen, dass der langfristige Nutzen für das Markenimage die kurzfristigen, mit solchen Veranstaltungen verbundenen Kosten bei weitem übersteigt.

Die Fußball-Europameisterschaft 2008 wird daher für uns eine perfekte Bühne sein, um unsere vorherrschende Stellung in dieser weltweit beliebtesten Sportart zu demonstrieren. Die Rolle von adidas als offizieller Sponsor der Europameisterschaft und Ausrüster von fünf teilnehmenden Mannschaften wird der Marke zu einem neuen Umsatzrekord in der Kategorie Fußball von über 1,2 Milliarden Euro verhelfen, wobei wir in diese Zahl nur Fußballprodukte aus dem Sport Performance Bereich einrechnen.

Bei den Olympischen Spielen in Peking werden unsere beiden größten Marken ganz vorne mitspielen und im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Denn adidas ist nicht nur Offizieller Sportswear Partner sondern außerdem auch Ausrüster von 16 Nationalen Olympischen Komitees – darunter auch Gastgeber China. Reebok ist der Partner des größten chinesischen Stars, des Basketballspielers Yao Ming. Dieses Sportereignis wird unseren Konzern zum Marktführer in China machen und das Umsatzwachstum in dieser Region auch über das Jahr 2008 hinaus beflügeln. 

Die Umsätze des Reebok Segments sind im Jahr 2007 nicht gewachsen und in der Finanzwelt gibt es Besorgnis hinsichtlich der Aussichten von Reebok im Jahr 2008. Was unternehmen Sie, um die Positionierung und die Leistung der Marke zu verbessern?
Lassen Sie mich zunächst sagen, dass wir zufrieden sind mit den neuen Marktchancen und Größenvorteilen, die sich durch die Integration von Reebok bereits für den Konzern ergeben haben. Aber Sie haben natürlich völlig Recht, wir müssen die Neupositionierung der Marke Reebok weiter vorantreiben – besonders in den beiden für Reebok größten Märkten USA und Großbritannien. Wenn wir dies erfolgreich tun wollen, müssen wir diszipliniert vorgehen und uns weiter auf Reebok konzentrieren. Im Jahr 2007 haben wir größere Veränderungen im Management der Marke Reebok vorgenommen. Wir haben sehr schwierige Entscheidungen gefällt, um den Vertrieb in den USA zu verbessern – so haben wir sogar die Belieferung des größten Kunden der Marke gestoppt, weil dort zu hohe Lagerbestände zu einem deutlichen Rückgang der Profitabilität geführt haben.

Aber die eigentliche Bewährungsprobe haben wir noch vor uns – wir müssen der Marke Reebok mehr Relevanz beim Konsumenten verleihen. Die Marke braucht einfache Botschaften, die sich einprägen. Deshalb werden wir 2008 die Produkt- und Marketingstrategien auf zwei wichtige Konzepte konzentrieren: Reebok möchte zum einen perfekt zum Konsumenten passen („Fit“). Zum anderen möchte Reebok betonen, dass der Konsument die Auswahl trifft und Reebok dabei die Marke ist, die ihn am besten versteht („Choice“). Reebok soll die Marke sein, die „zu mir passt“. Das heißt, dass für alle Konsumenten, Kunden und Geschäftspartner perfekt passende Angebote geschaffen werden müssen. Deshalb hat Reebok sein Produktangebot verbessert und 893 neue Fit-Initiativen in seine Produktkollektion 2008 aufgenommen. Darüber hinaus schneidet Reebok sein Produktangebot ganz auf seine wichtigen Einzelhandelspartner zu. Für die Konsumenten bedeutet dies relevantere Produkte, für Reebok höhere Margen. Und durch den Start seiner weltweiten Marketingkampagne – „Your Move“ – ist Reebok dabei, sich als Marke zu etablieren, die Individualität unterstützt und Konventionen in Frage stellt.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wie wir schon auf unserem Investor Day vor sechs Monaten angekündigt haben, werden die Umsätze von Reebok in den USA und Großbritannien 2008 nicht steigen. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Auftragslage in diesen beiden Ländern im Laufe des Jahres verbessern wird. In fast allen anderen Absatzmärkten werden die Umsätze wachsen, insbesondere in Russland und China, wo die Marke den Vertrieb im Jahr 2007 selbst übernommen hat. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich nicht nur Umsatz und Profitabilität, sondern vor allem die Wahrnehmung der Marke durch die Konsumenten weltweit im Jahr 2008 verbessern dürften. 

In Nordamerika hat sich das Wirtschaftsklima in den letzten Monaten verschlechtert. Wie wird der adidas Konzern Ihrer Meinung nach diese Herausforderungen 2008 meistern?
Ja, das Wirtschaftsklima in Nordamerika ist rauer geworden. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir auch in dieser Periode relativer Konjunkturschwäche besser dastehen werden als die meisten unserer Mitbewerber. Wir sind ein regional diversifizierter Konzern und das ist eine unserer größten Stärken. Wir haben in den letzten Jahren in den USA fleißig an der Marke adidas gearbeitet – und dies hat adidas vier Jahre in Folge Umsatzwachstum auf dem größten Sportartikelmarkt der Welt eingebracht. Heute verfügen wir in dieser Region über ein wesentlich breiteres Vertriebsnetz und ein deutlich verbessertes Portfolio von Performance-Produkten und Partnerschaften. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Marke adidas auch im Jahr 2008 in Nordamerika wieder wachsen wird – wenn auch vielleicht etwas weniger stark als in den vergangenen Jahren. Bei Reebok gibt es immer noch sehr viele Herausforderungen und die schwierige Marktsituation macht uns das Leben nicht gerade leichter. Aber ich bin sicher, dass die Marke die richtigen Initiativen ergriffen hat, um für das Jahr 2009 auf diesem Markt mit einem Umsatzwachstum rechnen zu können. 

Wie bewerten Sie die Ergebnisse von TaylorMade-adidas Golf im Jahr 2007 und welche Prioritäten haben Sie für die weitere Entwicklung in diesem Bereich gesetzt?
TaylorMade-adidas Golf strebt danach, das führende Golfunternehmen der Welt zu sein. Nichts veranschaulicht das so deutlich wie unsere Ergebnisse bei Metallhölzern im letzten Jahr. Trotz der extrem harten Konkurrenz und dem Technologie-Hype in der renommiertesten Kategorie des Golfsports konnte TaylorMade seinen Marktanteilsvorsprung auf den nächsten Mitbewerber auf mehr als 10 Prozentpunkte ausbauen. Und adidas Golf Schuhe und Bekleidung sind im fünften Jahr in Folge jeweils im zweistelligen Bereich gewachsen. Der Segmentumsatz stieg aufgrund von Wachstum in allen wichtigen Kategorien auf vergleichbarer Basis, ohne die Effekte des Verkaufs der Greg Norman Collection, um 9 %. Für 2008 ist die Steigerung der Profitabilität unsere höchste Priorität. Unserer Meinung nach gibt es keinen Grund, warum TaylorMade-adidas Golf nicht in nächster Zukunft eine zweistellige operative Marge erzielen sollte. Wir haben Maxfli verkauft, weil wir nun das Know-how haben, das wir brauchen, um in der Premium-Golfballkategorie erfolgreich zu sein. Und jetzt konzentrieren wir uns auf das Wachstum unserer beiden Kerngolfmarken: TaylorMade und adidas Golf.  

Nach einem soliden Jahr 2007 - was können wir 2008 bezüglich der Finanzergebnisse des Konzerns erwarten?
Wir haben hart daran gearbeitet, uns für ein weiteres Wachstum im Jahr 2008 zu positionieren. Ich bin davon überzeugt, dass sich unsere Fortschritte gegenüber dem vergangenen Jahr beschleunigen werden und wir neue Rekorde sowohl bei Umsatz als auch Gewinn erzielen werden. Wir erwarten ein währungsneutrales Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich – unterstützt durch Verbesserungen bei allen unseren Marken. Die Rohertragsmarge wird zwischen 47,5 % und 48 % liegen. Und unsere operative Marge wird auf mindestens 9,5 % steigen. Aufgrund dieser starken operativen Performance werden wir den Gewinn um mindestens 15 % steigern. 

Vor dem Hintergrund des hohen Umsatzziels und der erwarteten Nettosynergien für 2008 erscheint Ihr Ziel, den Gewinn um mindestens 15 % zu steigern, konservativ. Welche Überlegungen stehen dahinter?
Die Sicherung von nachhaltigem, langfristigem Wachstum und die Verbesserung der Profitabilität sind die wichtigsten Prioritäten unseres Konzerns. Eine weiterhin starke Rohertragsmarge ist entscheidend. Obwohl wir im Reebok Segment und innerhalb unserer Beschaffungskette großes Potenzial für weitere Verbesserungen sehen, werden steigende Einstandskosten gegen Ende des Jahres einiges von der erwarteten Verbesserung aufzehren. Wir müssen außerdem weiter in unsere Marken investieren, um von kurzfristigen Chancen zu profitieren und unsere langfristigen strategischen Ziele zu realisieren. Im Jahr 2008 werden wir zudem einige Kosten rund um die großen Sportveranstaltungen und andere wichtige Markeninitiativen wie den Ausbau unserer selbst kontrollierten Verkaufsflächen haben. Außerdem wird unser Aktienrückkaufprogramm unseren Fortschritt bei der Reduzierung unserer Finanzverbindlichkeiten verlangsamen. Operative Verbesserungen bei allen Marken sowie der für 2008 erwartete Anstieg der Nettokostensynergien im Zusammenhang mit der Reebok Integration werden jedoch diese Kosten größtenteils kompensieren. Ich bin deshalb stolz, dass wir eine Gewinnverbesserung von mindestens 15 % werden erzielen können und damit unser achtes Jahr in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum abschließen werden. 

Die Steigerung des Shareholder Value und des Ertrags ist eines der Grundprinzipien des adidas Konzerns. Welche Pläne haben Sie hier, insbesondere vor dem Hintergrund ihres vor kurzem angekündigten Aktienrückkaufprogramms?
Eine starke finanzielle Performance und diszipliniertes Bilanzmanagement sind das beste Rezept, um Wert für unsere Aktionäre zu schaffen. Seit dem Abschluss der Reebok Akquisition im ersten Quartal 2006 haben wir unsere Nettofinanzverbindlichkeiten um ungefähr 1,2 Milliarden Euro verringert. Mit einem Verschuldungsgrad von 58,4 % am Jahresende 2007 haben wir jetzt die Flexibilität, mehr Kapital an unsere Aktionäre zurückzugeben. Wir haben deshalb im Januar ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 420 Millionen Euro bekannt gegeben. Dies wird es unseren Aktionären ermöglichen, noch stärker an der zukünftigen Entwicklung unserer Finanzergebnisse teilzuhaben, da sich das Wachstum des Gewinns pro Aktie verstärkt. Und zusammen mit unserer um 19 % höheren Gesamtausschüttung werden wir im Jahr 2008 mehr Geld an unsere Aktionäre zurückgeben als jemals zuvor. Diese Initiativen unterstreichen unser Vertrauen in die Gesundheit unseres Unternehmens, unsere Geschäftsaussichten und die zukünftige Cashflow-Generierung. 

Herr Hainer, vielen Dank für das Gespräch.